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Der goldene Kompass

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Fantasy

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Filmkritik Der Goldene Kompass www.cine-kritik.deIn einer magischen Parallelwelt, in der Hexen den Himmel beherrschen und kämpfende Eisbären den eisigen Norden regieren, hält ein einziges Mädchen das Schicksal des gesamten Universums in ihren Händen.

Als Lyra Belacqua ein goldener Kompass anvertraut wird, erfährt sie, dass ihre gesamte Welt - und auch die Welten darüber hinaus von den geheimen Plänen des Magisteriums, angeführt von der düsteren Mrs. Coulter, bedroht wird.

Unterstützt von Lord Asriel und einer kleinen Gruppe Verbündeter begibt sich Lyra auf eine abenteuerliche Mission, in der Freundschaft, Mut und Tapferkeit auf eine harte Probe gestellt werden.


Mit Nicole Kidman und Daniel Craig

Genre: Fantasy
Laufzeit: 109 Min.
FSK: 12 Jahre

KRITIK von Loreley "N.T." (amazon.de)

Als großer Fantasy-Fan habe ich jahrelang auf die Verfilmung von "Herr der Ringe" und "His dark materials" (Teil I: Der goldene Kompass") gehofft und gewartet. Für mich zwei der besten Trilogien ever. Überall um mich herum werden diese beiden Trilogien nun miteinander verglichen. Es handelt sich bei diesen beiden Werken um derart unterschiedliche Literatur, dass ein "Vergleich" einfach gar nicht möglich ist. Das ist, als würde man vergleichen, was denn nun leckerer ist - Pizza oder Pasta! Gibt es darauf etwa eine Antwort?? Nein, denn zum einen ist es wirklich eine Geschmacksache, zum anderen kann man darauf keine vernünftige Antwort finden, denn man redet von zwei völlig unterschiedlichen Dingen. Und ehrlich gesagt - mir schmeckt beides!

 

Herr der Ringe wurde zum Kino der Superlative. Das war ein Aufwand und ein Budget, das seines Gleichen noch lange suchen wird. Die Ansprüche sind extrem hoch geschraubt worden. Ein wahres Meisterwerk.

Bevor der Film jedoch erschien, hatte ich Zweifel. Wie sollte man Figuren, die in der Phantasiewelt eines Buches im Kopf zum Leben erweckt wurden, auf einer Leinwand darstellen, ohne sie vollkommen lächerlich wirken zu lassen? Eine übergroße Spinne, die kämpft? Sprechende, lebende, laufende Bäume?

Dann kam der große Moment und ich muss sagen, ich war überwältigt. Nie zuvor hatte ich das Vergnügen, mir einen Film anzusehen, in dem mir jede Feinheit, jeder Charakter und jede Situation so vertraut war. Selbst die schwierigsten Szenen sahen 1:1 aus, wie in meiner Vorstellungskraft - das was ich zuvor gelesen hatte, war in Form von Bildern in meinem Kopf - und plötzlich vor mir auf der Leinwand.

Um nun wieder den Bogen zurück zu "Der goldene Kompass" zu bekommen, steige ich am selben Ansatz ein: was erwartet mich im Kino, nach jahrelanger Liebe zu der Trilogie und meinem "eigenen" Film im Kopf..?

Von vorn herein war klar: unterschiedliche Schreibstile der Autoren, komplett andere Konzepte/Figuren/Charaktere und Welten, die so unglaublich wenig gemeinsam haben. Es würde vom Gefühl her etwas ganz anderes werden, als bei Herr der Ringe. Mir war auch sofort klar: Teil I wird für die "Nichtleser" als Film nicht gerade leicht zu verstehen sein, bei den Büchern verschmelzen für mich erst alle drei Bände zu einem großen Ganzen, das verständlich ist und alles erklärt.

Von allen drei Teilen ist "Der goldene Kompass" der Aufbau - ein Ansatz, diese erste Welt und ihre Charaktere kennenzulernen. Ein Grundgefühl dafür zur vermitteln, sich auf sie und die seltsam fein zu spürende Stimmung erstmal einzulassen. Wer den goldenen Kompass gelesen hat, weiß, wie lang sich das erste Buch zieht. Wunderbar geschrieben, aber manchmal einfach doch zu langatmig. Richtig los geht es doch eigentlich erst nach 3/4 des Buches. Und ab da gibt es kein Halten mehr, Teil II und III direkt hinterher...

Nehmt Euch das Buch (Teil I) und setzt es als Film auf eine Leinwand. Es bietet einfach nicht den gigantischen Reichtum an tausend Dingen und großen Gefühlen, wie der erste Teil von HdR. Allein die trottelige Unbekümmertheit der Hobbits versprüht von Anfang an eine Art "gutes Bauchgefühl", den Zugang zum "Team" der "Gefährten" und Mittelerde, den man in "Der goldene Kompass" nicht finden wird. "Der goldene Kompass" bietet eine weit weniger große Palette der Darstellung. Allerdings finde ich diese in den meisten Details sehr gut gelungen. Ist das Alethiometer nicht einfach wunderschön geworden, wie man es sich erträumt hat? Und Pan und Iorek? Sie waren auf der Leinwand, als seien sie aus dem Buch dorthin gehüpft! Ich hätte sie in jedem mir unbekannten Film sofort erkannt!

Eindrucksvoll auch die Szene des betrunkenen Iorek Byrnison: erst beim Blick auf die Leinwand kam mir die exakte Szene aus dem Buch wieder in den Kopf und stellte sich dann auch genauso skuril dar, wie ich es damals, beim ersten lesen empfunden habe.

Fakt ist: Der Film war nah an der Buchvorlage. Die Stimmung, die der Film erzeugte, war die gleiche, mit "Unterkühlung" durchzogene Stimmung des ersten Buches. Ohne sie sonderlich zu mögen, bin ich der Meinung, dass die Hauptdarsteller passender nicht hätten ausgewählt sein können! Eine ständig unterkühlte Nicole Kidman, eiskalt, gierig, ein cooler Daniel Craig. Herrlicher Kontrast zur in Teil I nur selten auftauchenden, wilden, temperamentvollen, warmblütigen Hexe Serafina Pekkala!

Die wirklich "warmen" Charaktere, eine ganz andere Gefühlsebene, wahre Freundschaften und neue Abenteuer auf dem nun vorhandenen Fundament stellt sich in "Das magische Messer" (Teil II) dar. Die schon vorhandenen, eingeführten Charaktere lernt man besser kennen (z.B. Lee Scoresby), erfährt mehr über ihre Seele und wird zu ihrem Freund oder Feind. Sie gewinnen an Farbe, man kann sie besser verstehen, sich einfinden in sie und ihre Welten.

Da ich endlos über diese mir so liebe Trilogie berichten könnte, breche ich an dieser Stelle mit ein paar möglichst objektiven" Fakten meine Schreibflut ab:
Der Film ist ohne Vorinformationen nicht für jedermann leicht zu verstehen. Zudem ist er auch nicht so kindgerecht, wie z.B. Narnia. Meiner Meinung nach auch erst für etwas ältere Kinder zu empfehlen (ab 12). Der Film ist - wie das Buch - von einer gewissen Kühle und Schwere durchzogen, die einen fasziniert aber nicht unmittelbar mitnimmt und zum Teil des Ganzen werden lässt, wie nach wenigen Minuten Herr der Ringe.

Für mich trotz deutlich länger gewünschter Spielzeit eine sehr gute Umsetzung des Buches, der an manchen Stellen leider ein intensiveres Auskosten der wunderschönen, vorhandenen Details fehlte, um richtig damit warm zu werden.(Extremes Negativbeispiel: "Eragon". Ein wunderschönes Buch, mit viel Seele und Tiefgang, viel Entwicklung und Eigendynamik über Freundschaft, Liebe und Abenteuer wird im Film zu einem gekürzten, charakter- und seelenlosen, oberflächlichen kleinen Phantasie-Film!)

Wer Phantasie mag und liebt, sollte sich Teil I "Der goldene Kompass" auf jeden Fall ansehen. Wer weiß wann der nächste gute Film in diesem Genre erscheint?? Und wenns gefällt, Teil II und III einfach direkt hinterher lesen und mitnehmen lassen, in andere Welten...


Wie gesagt, Teil I war nur der Anfang... : )

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