Filmkritik - An die Grenze
Geschrieben von: Klaus Hahn Mittwoch, 01. April 2009 um 14:45 Uhr
"An die Grenze" dauert 105 Minuten, ist keinen Moment zu lang und nicht nur deshalb ein ungewöhnlicher Film.Die Geschichte (Buch: Stefan Kolditz, der hier eigene Erfahrungen verarbeitet) reicht gewissermaßen nach, was die jüngsten Großproduktionen ("Prager Botschaft", "Die Frau vom Checkpoint Charlie") ausgespart haben. Im Zentrum stehen keine strahlenden Helden, die furchtlos das Regime kritisieren oder abenteuerliche Fluchten planen, sondern junge Männer, die 1974 just während der WM durch allerlei falsche Versprechungen an die Grenze gelockt wurden, um die DDR gegen den Imperialismus zu schützen.
Sie absolvieren ihren Dienst mit jener Mischung aus Zynismus und fatalistischer Ergebenheit, wie sie wohl allen Wehrpflichtigen zu eigen ist. Erst die hübsche Traktoristin Christine (Bernadette Heerwagen) vermittelt dem jungen Grenzer Alexander (Jacob Matschenz) ein kritisches politisches Bewusstsein. "Wenn man keine Wahl hat: Woher weiß man dann, dass man auf der richtigen Seite steht?", gibt sie ihm mit auf den Lebensweg. Der lernt die Lektion und auch, sich zu emanzipieren: vom Vater, einem funktionierenden Funktionär (Burghart Klaußner), vor allem von einem Staat, der die eigenen Kinder längst gefressen hat, und leider am Ende auch von seiner ersten großen Liebe.
Urs Egger inszeniert den Film unaufgeregt und nicht als politisches Lehrstück, sondern vor allem als Porträt eines jungen Mannes auf der Suche nach Orientierung. Emotionen wecken weniger der Schießbefehl als vielmehr die brutalen Schikanen, denen die jungen Soldaten ausgesetzt sind: nicht durch Vorgesetzte, sondern durch Dienstältere, die sich ihre Zeit mit Mobbing und Psychoterror vertreiben. So gesehen ist "An die Grenze", ohnehin über weite Strecken eine Liebesgeschichte, dann doch das Lob eines Helden: weil sich Alexander nicht unterkriegen lässt. Eggers Leistung besteht vor allem in der Führung gerade der jungen Darsteller, denn die Prominenz (neben den Genannten noch Corinna Harfouch) spielt bloß Nebenfiguren. Die Hauptrolle hat ohnehin die Grenze. Ihr gehören als Klammer das erste wie auch das letzte Bild: Aus unberührter Natur wird der "antifaschistische Schutzwall", der sich am Ende zur Musik von David Bowies Mauerlied "Heroes" wie von selbst wieder renaturiert., den viele Ewiggestrige gerne verleugnen würden. Und das macht den Film umso wichtiger.
Fazit:Lehrstück für Leugner der Mauertoten - Quelle Kino.de
Genre: Drama
Laufzeit: 105 Min.
FSK: 12 Jahre
KRITIK von Klaus Hahn
Dieser Film ist selbst mit seinen 105 Minuten viel zu kurz.
Oder besser gesagt "ich war erstaunt, wie schnell die Zeit verging!"
Insgesamt ein interessanter Einblick nach wahren Begebenheiten, der zeigt das DDR (oder deutsch-deutsche)
Geschichte spannend sein kann und auch im Jahre 2007
noch funktioniert.
Einfach nur zu empfehlen!
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